Der Planet der Raver
.....Die folgende Geschichte spielt vor langer Zeit im Weltall. Lichtjahre von der Erde entfernt in einem anderen Sonnensystem hatten bereits vor Jahrmillionen bewohnte Planeten existiert, die schon damals über einen enormen Stand der technischen Entwicklung verfügten, miteinander zu kommunizieren imstande waren, wo Reisen durch's All für jedermann längst eine Selbstverständlichkeit bedeuteteten! Zu jener Zeit hatte ein Nomadenvolk im All gelebt, genannt die Technoraver. Aus verschiedenen Ländern diverser bewohnter Planeten waren sie gekommen und daselbst unterschiedlichen Kulturen entstammt! Musizierend und tanzend waren die Raver durch die Welten gezogen, einst ausgediente Laster, Traktoren oder Pferdekutschen, die sie eigens wieder instandstellten und bunt dekorierten, hatten ihnen als "Lovemobiles" gedient, mit denen sie ihre Raves veranstalteten! Jene Raver hatten separaten Gruppierungen angehört, doch sie erstrebten ein gemeinsames Ziel, mit ihren Techno-Festivals die Leute im All zusammenzuführen und so miteinander für ein Universum ohne Krieg und Gewalt zu demonstrieren, das war ihre Lebensphilosophie und dafür hatten sie einen lockeren Zusammenschluss in der INTERGALAKTISCHEN TEKKNO-BEWEGUNG FÜR LIEBE UND FRIEDEN IM ALL gebildet! Ihrem Verbund waren auch Sesshafte angeschlossen, namentlich alternative Kulturschaffende, aber auch verantwortungsbewusste Techniker und Ingenieure, Anwälte, Unternehmer und Funktionäre, die sich aktiv oder passiv gegen die Produktion und Entwicklung von Kriegstechnologie engagierten, gegen Kriegswaffengeschäfte und andere ungerechte Profite lautstark protestierten! Allgemein hatten sich die Raver einer grossen Beliebtheit erfreut, und diese ebenso die Gesellschaft der Leute zu schätzen gewusst, wo immer sie gastierten war jedermann eingeladen, mit ihnen zu feiern, so mancher Allbewohner war stets erfreut, wenn es dank den Ravern wiedermal eine zeitlang närrisch im Ort würde! Nebenbei hatten die Raver aber noch andere Qualitäten bewiesen, für die sie besonders gefragt waren: Von defekten Kaffemaschinen, lädierten Haushaltsgegenständen, schrottreifen Fahrrädern oder Motorfahrzeugen, bis hin zu alten Radios, Fernsehern, PC's hatte es kaum etwas gegeben, dessen sich keine Werkstätte mehr annahm, was durch diese tüchtigen Wandergesellen nicht wieder hätte zustandegebracht werden können! Jedermann im All hatte inzwischen die Ravers gekannt, sie waren weitherum begehrt, allein, ihre Berühmtheit, ihre Popularität hatte sie nicht reich gemacht, die Raver waren heimatlose, die in Occasions-Wohnmobilen lebten, für ihre Menschenfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft waren sie oft ausgenützt worden, denn jeder hatte inzwischen gewusst, dass diese ihre Dienste bereits für eine warme Mahlzeit oder ein Nachtlager anboten! Als normale Berufsleute hätten es jene Raver mit ihren Fähigkeiten vielleicht weit bringen können, als Fahrende aber hatten sie sich durchschlagen müssen, ihre Veranstaltungen und ihr Handwerk hatten gerade mal für den Lebensunterhalt gereicht! Allein, dies hatte die Raver nie gestört, sie feierten Parties, lebten und arbeiteten hart für ihre Ideale! Einst aber waren die Raver fast allesamt fortgezogen, denn sie hatten beschlossen, ihre Herkunftsplaneten vielleicht für immer zu verlassen und auf einen unbewohnten Stern auszuwandern, um ein völlig neues Leben zu beginnen, die Raver wollten ihren einen eigenen Staat gründen! Jener Planet aber, den die Raver zu besiedeln gedachten, hatte nicht umsonst "Toter Planet" geheissen, er war berüchtigt, denn seit rund 250 Millionen Jahren hatte sich kein einziges Lebewesen mehr dorthin gewagt, wo einer alten Legende zufolge zur Zeit der Dinosaurier eine einst untergegangene Hochkultur geblüht haben soll! Ausgerechnet dahin wollten die Raver gehen, wo einmal vor langer Zeit anstatt Liebe, Friede und Freude geherrscht nichts als Hass, Angst und Schrecken regierten:
Der Sage nach soll jener Tote Planet zuerst von einem sehr guten und später von einem sehr bösen Herrscher regiert worden sein; der gute war König Saurus, der Tyrann Dinodolfus der schreckliche! Es wurde erzählt, König Saurus, der selber ein passionierter Klaviervirtuose und Geigenspieler gewesen sei, habe seine Untertanen mit Güte regiert und selbst dem ärmsten Saurier kostenlosen Zugang zu höherer Bildung ermöglicht! König Saurus habe Universitäten und Konservatorien erbauen lassen, unter seinem Szepter sei ein hoher Wissensstand gediehen, doch leider habe das Volk der Dinos schliesslich fast nur noch aus Akademikern bestanden, wer keinen Titel besass sei dafür ein berühmter Musiker, Maler oder Dichter geworden; doch leider habe König Saurus den einfachen Berufsstand zuwenig ernst genommen und es versäumt, diesen ebenso zu fördern wie den Intellekt! Dies aber, so die Legende, habe schliesslich dazu geführt, dass auf dem Planeten der Dinosaurier ein Notstand ausgebrochen sei, weil es an Handwerkern mangelte, da abgesehen von einer Handwerks-Elitezunft, deren Produkte zu erwerben ausserdem den Adligen Sauriern vorbehalten war, fast keiner mehr eine praktische Tätigkeit ausübte noch verstand, nachdem eine solche zu erlernen einem Dino ja ohnehin kein Ansehen einbrachte! Also ward geschehen wie es denn kommen musste, dass die wenigen Saurier die noch ein Handwerk beherrschten, zur wenngleich verachteten, doch immer rareren Spezies geworden, ihr Talent dementsprechend immer teurer hatten verkaufen können und somit schliesslich zur zweitreichsten Gesellschaftsschicht im gesamten Reiche der Dinos aufgestiegen sind, fast noch mächtiger wurden als der König selbst! Als jedoch zuletzt Farben, Stifte, Bücher, Kerzen, Tuschfedern, Möbel u.a.m. für normalsterbliche Saurier kaum noch erschwinglich geworden waren, alsdann die Preise für Grundnahrungsmittel auch noch stetig gestiegen, da war die Unzufriedenheit mit ihrem König gewachsen und just die Intellektuellen, die Saurus doch Bildung und Status verdankten, sich nunmehr allerdings ihren Lebensunterhalt immer teurer bestreiten mussten, hatten ihren König für diesen Missstand verantwortlich gemacht! Es begab sich also zu jener Zeit, dass jener furchtbare Dinodolfus, König Saurus' Erzfeind, durch die Lande gezogen, welcher den Unmut des Dinovolkes sehr wohl erkannt! In feurigen Reden hatte dieser die Dinos angespornt, lautstark gegen ihren König aufzubegehren und grossspurig verkündet, dass sich schon bald alles zum Besseren wenden würde, wenn sie IHN an König Saurus' Statt zu ihrem KÖNIG machten! Die Saurier hatten dem Tyrannosaurus geglaubt und so ward denn geschehen, dass König Saurus von seinem Throne gestürzt wurde und, vom eigenen Volke verstossen, vor dem Zorne seiner aufgebrachten Untertanen fliehen musste! Dabei hatten nicht etwa die Handwerker, sondern die Intellektuellen den Putsch angeführt! Während einer kurzen Zeit war Ex-König Saurus noch die Flucht gelungen, doch die ex-royale Künstler- und Ärztevereinigung, welche sich von Dinodolfus' Regime für gutes Entgelt hatte erkaufen lassen, hatte Saurus' Versteck verraten, und so war dieser eines Nachts von dessen Schergen überfallen, entführt und auf eine weit abgelegene Insel verbannt worden! Gleich nach seiner Machtergreifung hatte der Tyrannosaurus ein rauschendes Fest veranstaltet, zu dem das gesamte Volk geladen war, welches ihren "Volksbefreier und heldenhaften Führer" mit frenetischem Jubel und grosser Dankbarkeit empfing, ihm Ehre erwiesen, doch die Freude, die Euphorie sollte von sehr kurzer Dauer sein, um schon bald einer herben Enttäuschung zu weichen! Während der folgenden rund 60'000 Jahre hatte die Dynastie des Tyrannosaurus im Lande der Dinos Angst und Schrecken verbreitet! Die wenigen unter ihnen, die mit ihrem Ex-König loyal geblieben waren, hatten Saurus heimlich mit Nahrungsmitteln und Medizin versorgt, ihr möglichstes versucht, ihm sein Leben in der Verbannung zu erleichtern. Zwar war dem Ex-König auch unter Dinodolfus, dem Tyrannen noch etwas staatliche Hilfe zugekommen, die zwar zum Leben kaum gereichte, dem Tyrannosaurus jedoch überaus dienlich war, sein Image als sozialer Herrscher zu festigen! So war denn König Saurus schon bald einsam gestorben, eine Trauerfeier zu zelebrieren war vom Tyrannosaurus bei Strafe untersagt worden!
In der Tat hatte es denn anfänglich danach ausgesehen, dass Dinodolfus' Machtergreifung endlich die lang ersehnte Wende herbeiführen würde, seine Versprechungen hatte er gehalten, für eine breite Streuung des Arbeiter- und Bauernstandes zu sorgen, Schulen und Heime hatte der Tyrannosaurus erbauen lassen, um Jung-Dinos in der praktischen Lehre als Schuster, Bauleute oder Landwirte auszubilden, und schon bald waren die Handwerker für jeden wieder erschwinglich geworden! Doch Dinodolfus war nicht seines Volkes Freund gewesen, er hatte König Saurus nur die Schmach heimzahlen wollen, die dieser ihm einst angetan: Dinodolfus, der Tyrann, war nämlich selbst ein begabter Künstler, Maler und Dichter gewesen, hatte es jedoch nie geschafft, in den hehren Kreis der Auserwählten der königlich-nationalen Künstlereskorte aufzusteigen, und dies hatte er König Saurus nie verziehen, und nun, da er die Herrschaft an sich gerissen, hatten Saurus und sein Volk dafür die Folgen zu erleiden! Schnell waren des Tyrannosaurus wahre Absichten offenbar geworden, erst jetzt hatten die Dinos erkannt, dass Saurus im Grunde ein guter Herrscher gewesen war, selbst wenn er dabei einen gravierenden Fehler beging!! Dinodolfus der Tyrann hatte immer höhere Steuern und Abgaben erhoben, und als Folge davon waren auch schon bald die Preise für Nahrungsmitel und lebenswichtige Güter erneut gestiegen! Während das Dinovolk schuftete und darbte hatte Dinodolfus, er selbst ein arbeitsscheuer Geselle, die Dinos mit Parolen zu Fleiss, Tüchtigkeit und Genügsamkeit angehalten! Rücksichtslos liess er einsperren, wer nicht fähig oder willens war, seine Steuerschulden zu bezahlen, verhaften und foltern, wer sich gegen sein Regime auflehnte! Die gesamte Dienerschaft aus der Zeit Königs Saurus hatte er mit einer mickrigen Rente entlassen, dafür verwaiste Jung-Dinos herbringen lassen, diese bei sich aufgezogen, um sie bei Hofe zu Handlangern seines Regimes auszubilden! Doch Dinodolfus hatte nicht nur Arbeiterdinos, auch Intellektuelle für seine Zwecke eingespannt, wer sich weigerte, sich zu seinen Diensten zu verpflichten, sich ihm widersetzte, hatte er ohne ordentliches Gerichtsurteil inhaftieren lassen! Als die Dinos denn endlich nach all der Zeit der Unterdrückung und Unterjochung doch einmal den Aufstand gewagt hatten, einige für Ihre Freiheit ihr Leben herzugeben bereit waren, als selbst unter Dinodolfus' bisher treuesten Anhängern ihm immer mehr abtrünnig zu werden drohten, da musste dem letzten Tyrannosaurus geschwant haben, dass der Tag vielleicht nicht mehr ferne sei, der sein Schreckensregime zu Fall bringen würde, furchtbar die Strafe sein, wenn er sich danach für seine eigenen Frevel und die seiner Vorfahren würde verantworten müssen! Also hatte der letzte Nachfahre des Tyrannosaurus Dinodolfus feige den Entschluss gefasst, sich in den Freitod zu retten, doch wenn schon er, dann hatte gleich sein gesamtes Volk mit ihm sterben sollen! So hatte denn der letzte Tyrannosaurus die Fackel der Zerstörung entzündet und seinen Schwadronieren überreicht, ihnen befehligt, den gesamten Planeten niederzubrennen! Nicht ein einziger Dino hatte das Inferno überlebt, auf jenem Stern, der von da an "Toter Planet" hiess! -
Was hatte denn nun, rund 250 Millionen Jahre nach diesem schrecklichen Ereignis, die Raver dazu veranlasst, ausgerechnet jenen trostlosen, gefährlichen Planeten aufzusuchen? Waren sie etwa allesamt Naivlinge, todesmutige Abenteurer, oder wilde Draufgänger gewesen? Keineswegs, die Raver waren keine Heroes, nicht mutiger als alle anderen Allmenschen, bloss enttäuscht waren sie einst worden! Blumask, der so hiess, weil er sich oft hinter einer komischen blauen Maske versteckte, von den Ravern auch Ober-Dj-genannt, Gründer, Anführer und geistiges Oberhaupt der Tekkno-Bewegung, hatte die Raver aufgerufen, sich zu vereinen und mit ihm auf den Toten Planeten zu gehen, um von dort vielleicht niemals wiederzukehren! Warum bloss hatten die Raver auf ihn gehört? Als Fahrende war für sie das Weltall in Ordnung gewesen, wo immer die Raver hinkamen waren ihnen stets Campingplätze reserviert, das Leben war für sie fast schon wie eine Party! Die Raver hatten geglaubt, die Leute, denen sie stets gute Stimmung gebracht und so oft Gefälligkeiten erwiesen, wären allesamt ihre Freunde! Solange sie nur gastierten war man über die Raver auch stets erfreut, erst als sich auch in diesem Volk einmal der Wunsch regte, nach einem Ort, an den sie von ihren langen Reisen jeweils zurückkehren könnten, da hatten für sie die Probleme begonnen, plötzlich waren sie nirgendwo mehr erwünscht! Weshalb diese plötzliche Kehrtwende? Was hatten diese friedliebenden Wander-Technomusiker den Sesshaften bloss angetan, dass man sie auf einmal so sehr verschmähte? Eigentlich nichts, bloss, den gewöhnlichen Space-Citizens waren die Raver eben suspekt, denn sie waren nicht wie gewöhnliche Aliens! Als Unterhalter hatte man sie zwar gemocht, als billige und gute Handwerker wurden sie gebraucht, doch kaum jemand hätte gewollt, dass sich dieses rastlose Spassvolk irgendwo auf Dauer niederliess, denn dann, so die Befürchtung, würde es mit der Ruhe vorbei sein, die soziale Ordnung durch sie gestört! Ihr Wanderleben war den Ravern anzusehen, stets waren sie braungebrannt, sie rochen nach Öl und der Schmiere, die sich im Laufe der Zeit tief in ihre Haut eingegraben hatte, nicht wenige von ihnen fielen mit Ganzkörperbemalungen auf, manche trugen erstnoch knielange Haare, allesamt leisteten sie keinen Militärdienst, zahlten keine Steuern, gingen keiner geregelten Beschäftigung nach, und sie machten laute Technomusik! "Ober-Dj-Blumask" war der einzige, der die Raver noch nie im Stich gelassen hatte, er war kein normaler Superstar, er war Vermittler zwischen zwei Kulturen, der ihren und jener der Sesshaften, er war ihnen wie ein Vater und Freund, er hielt zu ihnen, er besass den Mut zur Tat, wusste immer Rat, er war belesen, hochintelligent und er verstand es soger, Flugobjekte zu konstruieren, ausserdem unterhielt er gute Beziehungen zu interstellaren Behörden, bis hinauf in die obersten Gremien! Auf ihn konnten sie vertrauen, auf seine Stimme wollten sie hören, ihm nacheifern! Und als die Raver merkten, dass sie scheinbar immer nur als Entertainer und Allrounder gut gewesen waren sind sie schliesslich seinem Ruf gefolgt, sich an mehreren Orten des Weltalls zu versammeln, gemeinsam ein Raumschiff zu bauen, um von dort aus alsdann in Richtung des Toten Planeten zu starten! So hatten denn damals etliche Raver ihre Musikinstrumente, Keyboards, Synthesizer, Trompeten und Verstärker eingepackt, ein kleines Bündel Habseligkeiten geschnürt, Zelte und ausreichend Notvorrat mitgenommen, um gemeinsam mit Blumask die Reise ins Ungewisse anzutreten, ihrem Idol auf den Toten Planeten zu folgen, und wenn die Raver sich schon gegenseitig Mut machten, so hatte doch mancher von ihnen gezittert, bange gedacht, was sich wohl auf jenem verruchten Stern noch ereignen würde! Was würde mit ihnen passieren, hatten sich derzeit auch die Space-Citizens gefragt, denen es hinterher doch leid getan, die Raver mit ihrer kleinbürgerlichen Haltung auf den Toten Planeten vertrieben zu haben! Aber nicht nur Mitleid, auch Furcht hatte viele Allbewohner ergriffen, denn die Invasion der Raver auf jenen verlassenen Stern erschien nicht ungefährlich; der Tote Planet nämlich war nicht nur seiner schrecklichen Vergangenheit wegen gefürchtet, es wurde vermutet, dass dieser inzwischen von der (UdfsCR/Union der futuristischen scientistischen Cyberrepubliken), also der als die gefährlichste von allen geltenden Supermacht, besetzt sei!
Der "Cybergrüne Planet"
war triste und grau, des Nachts aber leuchtete er gefährlich giftgrün ins All hinaus, dies lag an seiner besonderen Bodenbeschaffenheit, dessen phosphorähnliche Gesteinsoberschicht im Schein seiner Strassenbeleuchtung, sogenanntes Schwarzlicht, grünlich floreszillierte! Jener scientistische Planetenstaat, abgeschottet vom übrigen Weltall gelegen, gehörte dem "Scientistischen Block" an, welcher wiederum aus der Cyberunion selbst bestand, sowie einer Corona ihn umgebender Satellitenplaneten, um die sich ein sprichwörtlich "Eiserner Vorhang" wand! Linienflüge zu diesem Planeten hatte es keine gegeben, normalsterblichen Aliens war der Zugang zu diesem scientistischen Planetenbund verwehrt, die Scientisten selbst konnten die Cyberunion nicht frei verlassen, Staatsbürgern scientistischer Blockplaneten waren Reisen ins Freie Weltall untersagt, anders als in den alten Welten war diesen Reisefreiheit nicht bekannt! Von einigen hochoffiziellen diplomatischen Kontakten abgesehen hatten die Scientisten keine Beziehungen mit dem freien Weltall unterhalten und waren mit normalsterblichen Aliens nie in Berührung gekommen! Ihre Astronauten waren die einzigen, die den Grünen Planeten sporadisch verliessen, meist mit Ziel geheime Forschungsbasis auf dem Toten Planeten, wo sonst nur deren Roboter hausten, die dort, ihren hochgenialen Schöpfern sehr ähnlich, in deren Diensten gestanden! Selten war ausserdem Information von dort nach aussen gedrungen, dennoch hatte man einiges darüber zu wissen geglaubt: Jene Cybers waren hochrespektiert; es wurde behauptet, sie seien technologisch anderen Planeten um Jahrmillionen voraus, und irgendwann, so war man fest überzeugt, würden diese schurkischen Wissenschaftler ihre Roboterarmeen gegen alle anderen Völker des Alls einsetzen, auf sämtlichen Planeten einmarschieren lassen, um letztendlich die universale Alleinherrschaft zu errichten; wozu selbst diese hochgenialen Wissenschaftler nicht mächtig gewesen wären, doch die weniger gebildeten unter den Allbewohnern hatten damals eben noch geglaubt, das All sei endlich und würde nur aus wenigen Hundert Planeten bestehen, und wer zuweit ins All hinausflöge, der würde auf ewig von der Finsternis verschluckt! Tief verankert war das Feindbild jenen Cybers gegenüber in den Köpfen der Allmenschen bisher schon gewesen, welches nun zusätzlich noch durch das Gerücht genährt wurde, das ein Astronaut ins Weltall gestreut hatte, der einmal auf Allmission nahe am Toten Planeten vorbeigekommen und dabei auf etwas nicht exakt definierbares gestossen war, das aber auf eine Kratersiedlung hindeutete! Seit jener sonderbaren Entdeckung wurde behauptet, die Cyberunion würde einen geheimen Stützpunkt auf dem Toten Planeten unterhalten! Die Raver könnten in Gefangenschaft geraten, auf die Cyberunion verschleppt werden, als lebende Versuchstiere in einem Labor verenden, ihre waghalsige Aktion könnte gar eine Intervention der gefährlichen Wissenschaftler zur Folge haben, der seit langem erwartete Krieg im All würde nun bald ausbrechen, war von Schwarzsehern bereits prophezeit worden! Doch es sollte anders kommen, die freundliche Reaktion der futuristischen Cybers hatte alle überrascht! Einzig die Raver hatten diese Wissenschaftler nicht länger gefürchtet, weil sie den Schauergeschichten keinen Glauben mehr schenken wollten, der Leute, von welchen selbst sie sich ja inzwischen betrogen fühlten, doch selbst die Raver hatten damals noch nicht erahnen können, dass sie die ersten sein würden, die mit den gefürchteten Wissenschaftlern einen Pakt eingingen, zwischen ihnen beiden einst ein enges Band geknüpft werde! Jener Astronaut allerdings hatte richtig vermutet, das geheime Forschungslabor auf dem Toten Planeten existierte und die Raver würden es finden! - Die Basisroboter hatten sich sehr einsam gefühlt, ihr Job sie oft gelangweilt, die Basis vor möglichen fremden Eindringlingen zu bewachen und zu beschützen welche die geheimen Konstruktionspläne ihrer Schöpfer hätten rauben können, denn die Chance war sehr gering, dass jemals irgendein fremdes Wesen auf diesen Toten Planeten kommen würde, welcher über keine Bodenschätze verfügte, wo es weder Strassen noch Landeplätze gab, ausser zur Basis, welche gut abgeschirmt inmitten unwegsamen Gebiets gelegen! Ausserdem hätte niemand mit den wissenschaftlichen Konstruktionsplänen der Cybers etwas beginnen können, keiner hätte sie entziffern können, ausser den genialen Wissenschaftlern selbst! Niemand sonst hatte derzeit bereits über einen derartigen Stand des Wissens und der Technologie verfügt! Trotzdem war die Vorstellung, dass irgendwann Spione des alten Weltalls sich dessen bemächtigen könnten tief in den Köpfen dieser sehr zur Paranoidität neigenden Wissenschaftler festgezimmert, genauso wie bei den übrigen All-Bewohnern das Feindbild der bösen Cybers und dem allweiten Krieg, den sie einst losschlagen würden! Die Basis war im Abstand von 50 Jahren von einem Konvoi der Cyberunion mit Ersatzteilen versorgt worden, sowie mit den notwendigen Rohstoffen und Materialien. Tief aus dem Inneren des Toten Planeten wurden Wasser und Wärme an die Oberfläche gepumpt, um damit Generatoren für die Stromerzeugung zu betreiben, die entstehende Abwärme konnte ausserdem noch zur Beheizung der Basisgebäude verwendet werden, die zum Betrieb der Akkuladestation für die Roboter benötigte Energie wurde beinahe zu 100 % aus Sonnenenergie gewonnen! Mochte die Legende von König Saurus stimmen oder nicht, jedenfalls hatten Wasserreservoire, die schon lange vor der Entstehung des Scientistischen Planeten tief unter dem Boden des Toten Planeten bestanden, von einer längst vergangenen Blütezeit gezeugt! Nach ihrer Ankunft hatten die Raver begonnen, den Toten Planeten für sich zu erkunden, und schliesslich, nach einer tage- und nächtelangen, hoffnungslos zermürbenden Wanderung durch Schlamm, Tümpel, Wüstensand, felsige, zerklüftete Landschaften und Wälder einst verglühter Lava waren sie gen Osten vorgestossen, und da sahen sie plötzlich, dass hier irgendwo Licht brannte, hier befanden sie sich nun also in der Nähe einer Oase, der einzigen des Toten Planeten! Dort musste es Bewohner geben, und vielleicht würde einmal einer vorbeikommen, den sie nach dem Weg fragen könnten. Doch die Raver irrten, wer hier hauste waren einzig die Maschinenmenschen, welche die Schöpfungen der Wissenschaftler des Grünen Planeten waren. Bereits bei der Landung auf dem Toten Planeten waren die Neuankömmlinge vom elektronischen Frühwarnsystem der Basis registriert und an die Cyberunion gemeldet worden! In diesem Moment sollte sich erweisen, dass die futuristischen Wissenschaftler sehr viel besser waren als ihr Ruf! Sie liessen die Fremdlinge einwandern, die Raver wären auf dem Toten Planeten verloren gewesen, hätten die Cybers vom Grünen Planeten nicht deren Rettung veranlasst, indem sie ihren Robotern den Auftrag zur Evakuation auf die Basis erteilten, wo die Raver sodann eine gewisse Zeit verbrachten, in der sie gut betreut wurden, relativ grosse Freiheiten genossen, sogar Parties hatten sie feiern dürfen! Hier war ihnen ein angenehmes Leben zuteilgeworden, solange, bis es schliesslich soweit war, dass die Raver auf dem Toten Planeten offiziell mit dem Segen der Wissenschaftler vom Grünen Planeten ihren Staat gründen durften! Auch beim Wiederaufbau der zerstörten Vegetation auf diesem havarierten Planeten hatten ihnen diese hilfreich zur Seite gestanden! Zwischen den futuristischen Wissenschaftlern und den Ravers war eine zwischenstaatliche Freundschaft entstanden, Handelsbeziehungen hatten sich später daraus entwickelt! Wie ein Lauffeuer hatte sich die unglaubliche Nachricht im All verbreitet! Die Wissenschaftler vom Grünen Planeten, in denen man bisher stets die "Cybergrüne Gefahr" sah, hatten den Verstossenen einen Planetenstaat geschenkt, anstatt sie ins All zurückzuschiessen und einen Krieg zwischen den Welten zu entfachen! Dies war ebenfalls der Beginn einer Phase der Entspannung, da ein kalter Krieg sich seinem Ende zuneigte! Jene Wissenschaftler vom Grünen Planeten nämlich, die man bisher für launische Halbgötter gehalten, hatten nämlich ihre eigene Geschichte, die jener der Raver, dieser lebensfrohen Kreaturen, sehr ähnlich war: Ihre Urahnen waren zwar keine Fahrenden, stattdessen angesehene Forscher und Entwickler oder aber glücklose Erfinder gewesen, die in verschiedenen Welten lebten, bevor sie sich einst ihren eigenen Planeten erschufen: Sie waren es leid, dass Ihre Erkenntnisse und Errungenschaften stets den falschen Herren gedient, es deswegen immer wieder zu Katastrophen, Not und Zerstörung gekommen war! Sie fanden, dass das Weltall für ihre Erzeugnisse noch nicht reif sei, und so hatte denn einst eine Gruppe solch weitsichtiger Wissenschaftler beschlossen, auszusteigen, sich von all ihren Verträgen losgekauft, nach einem geeigneten Stern gesucht, der ihnen Lebensbedingungen bot, um darauf ihren eigenen ethisch-reinen scientistischen Cyberstaat zu errichten und sich fortan einer Wissenschaft zu verschreiben, die nicht dem Profit, sondern ausschliesslich dem Selbstzwecke diene! Des enormen Fortschritts wegen, den sie dank der gewonnenen Zeit und Musse in der von ihnen geschaffenen Paralellwelt erreichten, waren sie allerdings binnen kurzem zu der Supermacht aufgestiegen, die nun von allen gefürchtet war! Zum ewigen Gedenken aber, an die unrühmliche Vergangenheit der Welten, aus denen sie einst gekommen, hatten ihre Stammväter damals Depression und Trauer zum Gesetz, zur Staatsreligion erklärt, dunkle Einheitskleidung zum Gebrauch gemacht! Deshalb waren sie so misstrauisch, exportierten ihre Supertechnologie kaum, auf dass sie nicht wieder in den teuflischen Kreislauf des "Alten Weltalls" gelange! Deshalb waren's auch unter den Wissenschaftlern anderer Planeten nur wenige gewesen, die Zugang zu ihrem scientistischen Planetenstaat erhalten durften! Nur wer in guter Absicht gekommen, dem wollten sie Einlass gewähren, Einreisevisum bekam nur, wer sich zuvor einer eingehenden Lauterkeitsprüfung unterzogen, mit den gestrengen moralischen Grundsätzen des Cyberplaneten übereinstimmte, nie durch ein interorbitales Gericht angeklagt und schuldig gesprochen wurde! Diese ausgegrenzten Nomaden-Musiker aber, die auf der Suche nach einer Heimat auf den toten Stern gefunden hatten, befanden sie für rein, ihnen sollte der "Tote Planet" gehören, welcher von nun an AMORA geheissen! Nun also hatten die Raver ihren Planeten, um sich ihren eigenen Staat zu erschaffen, schon bald waren sie angesehene Leute, wie würden die Raver mit ihrer neuen Situation umgehen, würde sich ihre gesamte Lebenseinstellung dadurch verändern? In einem späteren Kapitel der Geschichte werden wir's erfahren....
Teil 1: Die Entstehung des Planeten Amora
Amora war ja nun noch unbesiedelt, jeder durfte sich ein Stückchen davon nehmen, jeder musste entscheiden, wo er seine Zelte aufschlagen wolle, was bestimmt keine leichte Aufgabe gewesen war! Einzelne Raver hatten sich zusammengetan, um sich eine geeignete Stelle des Planeten auszusuchen, wo zu leben und zu arbeiten es ihnen gefiele, und so waren denn auf Amora im Laufe der Zeit verschiedene Musikerstämme mit eigener Kultur und Stilrichtung entstanden, diese hatten Unterstämme gebildet, aus welchen dann jeweils wieder Unterstämme hervorgegangen sind. Planet Amora war in fünf Länder, fünf Grundstammesgebiete unterteilt worden, Housers District, Gabbers District, District of Goa, District of Tekkno, Tech-Goa's District, von denen jeder seine Ältesten wählte, die dann den Ober-Dj bestimmten! (Zu Ehren von Blumask, ihrem Staatsgründer, wurden später auf Amora die regierenden Staatsoberhäupter und hohen Funktionäre Ober-Dj's genannt, weil dieser damals bei Einwanderung der ersten Raver auf den Toten Planeten den Beinamen "Ober-Dj" trug!) Auf Amora war die Hierarchie kurz und flach, es hatte nur wenige Instanzen gegeben! Zu einem richtigen Stamm gehörte natürlich ein Häuptling sowie ein Stammesältester, so auch auf Amora; bei den Goastämmen hatte ausserdem fast jeder über einen Medizinmann verfügt! Die Häuptlinge mussten Angelegenheiten zwischen Stammesangehörigen regeln, in Streitfällen schlichten, das nächste Dorffest organisieren, um die Rituale war der Medizinmann besorgt, für öffentliche Ämter allerdings waren sie nicht zuständig, diese wurden von den Dorfältesten wahrgenommen, ihnen übergeordnet waren die Provinzältesten, mit der höchsten Aufgabe in diesem Planetenstaat betraut aber, nämlich Amora zu regieren, waren die Ober-DJ's!
Teil 2: DIE VIER GRUNDSTÄMME: Tekknoravers, Gabbers, Housers, Goaner, wie sie arbeiteten, lebten und feierten, wie Amora sich entwickelte
Im Norden lebten die Goas, im Süden die Technos, im Westen hatten sich die Housers etabliert und im Osten wohnten die Gabbers. Ein Teil des Ostens war Sperrgebiet, das sich im Umkreis der Basis befand. Niemand durfte diese Enklave, weil Hoheitsgebiet des Cyber-Planeten, ohne Erlaubnis der Cyberunion betreten, auch die Raver nicht, dazu hatte es eines Passierscheines bedurft, der ihnen aber sporadisch, auf Antrag ausgestellt wurde! Mit den in der Randzone lebenden Eastravers hatten die Cybers spezielle Freundschaftsverträge ausgehandelt, für sie war die Genehmigung einfacher zu bekommen als für die übrigen Amorianer! Ab und an, wenn sich ein Raver in die Nähe des Basisgeländes begab und einer der Roboter gerade seinen Kontrollgang verrichtete, dann wars, sofern dieser gutgelaunt war, zu einem freundlichen Zuwinken gekommen! Die Goanerstämme waren sehr naturverbunden, ihr Gebiet, welches zwischen dem der Housers und jenem der Gabbers lag, zog sich wie ein Streifen dahin vom Norden bis weit in den Süden hinein, wo es an die Stammesgebiete der Technoraver angrenzte! Sie genossen ein gemässigtes bis tropisches Klima, lebten zumeist in kleinen Dörfern, welche teilweise direkt in der Nähe des Meeres gelegen, ihre Musik war vom feinsten, melodisch, mit viel Sphäre durchsetzt, ihre Kleidung bunt und reich verziert, viele trugen farbigen Federschmuck, ihre Parties waren wie ihre Landschaften, wundervoll dekoriert, mystische Gebilde säumten die Wände ihrer Zelte, nachts floreszillierte alles im Licht der Schwarzlichtbirnen, welche sie genau wie die Cybers als Beleuchtungskörper verwendeten. Die meisten Goaner waren Selbstversorger, ihr Essen bestand aus dem, was ihnen die Natur bescherte, Reis, Kartoffeln, Nüssen und Hülsenfrüchte, sie tranken Pflanzensäfte, die süsslich schmeckten, aus denen sie auch Arzneien herstellten. Es gehörte zu den Aufgaben eines Medizinmanns, die Mixe aus Pflanzen und Kräutern vorzukosten, um deren Wirkung zu testen, bevor er seinem Stamm offiziell die Genehmigungen zum Konsum erteilte! Wo der Süden an den Norden angrenzte hatten gemischt goanisch-technoide Stämme zusammengelebt. Die Technoraver waren der Urstamm, aus denen später die anderen Grundstämme Amoras hervorgegangen sind! Vielleicht waren sie sogar Nachkommen einst abtrünnig gewordener Cybers, denn neben den Gabbers hatten auch sie mit jenen sehr viel Ähnlichkeit, was ihr Technikgen betraf! Ihre Kleidung aber war anders, sie liebten schrille, grelle Farben, bunt und froh waren ihre Landschaften, ihre gesamte Lebensweise, praktisch alles was dieser Stamm hervorbrachte war synthetisch gemacht, sie würden dereinst die ersten sein, die Clubs aus Stein und Beton erbauten und später auf Amora das Plastikzeitalter" erfanden! Die Houser die sich im Westen ansiedelten wurden so genannt, weil sie als einziger Stamm in Hütten aus Stroh oder Holz, anstatt wie die übrigen Raverstämme in Zelten lebten, sie waren ganz besonders eigensinnig, verhielten sich hochnäsig Angehörigen anderer Stämme gegenüber, ihre Musik war dumpf, sie rauchten dicke Zigarren, an warmen Frühlings- oder Herbsttagen sassen sie oft vor ihren Strohhäusern, kauten Tabakblätter, aus Kokosnuss-Schalen tranken sie selbstgebrannten Schnaps oder von Baumrinden gepressten Saft, weshalb ihre Zähne auch meist gelbbraun aussahen! (Alkoholgenuss, ein Brauchtum, welches die übrigen Raverstämme damals noch verabscheuten). Von den Gabbers, die für sich alleine in der Abgeschiedenheit der Berge lebten, besass fast jeder eine kleine Werkstatt, wo sie ihre "Instrumente" selbst bastelten, ihre Nachbarn und besten Freunde waren die Roboter der Cyberbasis! Ihr Stammesgebiet wurde selten von stammesfremden Ravern frequentiert, weil es verkehrsmässig kaum erschlossen war, der Basis wegen auch oft lange Umwege in Kauf genommen werden mussten! Ausserdem wurden die Gabbers von den übrigen Ravers oft verspottet, unfähig zu sein, richtige Musik zu machen, weil deren Musik, die zur Hauptsache aus stampfendenden Maschinentakten bestand, vermischt mit industriellen Klängen, sich eher wie die Geräuschkulisse einer Fabrik anhörten oder aber an den Lärm einer Baustelle erinnerten! Planet Amora entwickelte sich nach und nach und im Laufe der Zeit waren aus den einstigen Techno-Nomaden sesshafte Landwirte, Mechaniker, Elektriker, Gärtner, Spengler, Tischler, Geschäftsleute oder Politiker geworden, einzelne waren Berufsmusiker geblieben, doch welche Tätigkeit auch immer sie ausübten, ihre Wurzeln vergassen sie nie, musizieren war ihre Leidenschaft, die nun viele von ihnen eben nebenher betrieben! Schon zu ihrer Zeit als Fahrende war den Ravern die Elektrizität bekannt, doch diese zu nutzen fehlte ihnen damals die Struktur, aus technischen Gründen hatten sie oft improvisieren müssen, weil es nicht überall Stromanschlüsse gab hatte man sich oft mit eigenen mobilen Energiequellen behelfen müssen, grossen, schweren Bleiakkus oder brennstoffbetriebenem Kleingenerator, so hatte man denn abgesehen von batteriebetriebenen Keyboards auf Elektronik weitgehend verzichtet und stattdessen entweder Musikinstrumente verwendet, die entweder ohne elektrischen Strom auskamen, oder aber diesen gleich selbst erzeugten; Tasteninstrumente mit Pressluftantrieb oder integriertem Dynamo, welcher über ein Fusspedal getrieben wurde, das während des Spiels stetig getreten werden musste! Als sesshafte waren die Raver nun imstande, mit Hilfe der Mikroelektronik, die sie zumeist aus der Cyberunion einführten, ganze elektronische Konzertorgeln zu konstruieren, doch schon bald war man noch anspruchsvoller geworden: Eine Art Tasteninstrument sollte her, mit dessen Klaviatur mehrere Instrumentalklänge synthethisch erzeugt werden konnten! Schon früher hatten sich die Raver aus Elektroschrott Musikinstrumente gebastelt, industrielle Geräusche oder Laute aus der Natur auf Tonträger aufgenommen, um im Hintergrund als Begleitung zu ihrer Musik abzuspielen! Nun wollten sie dies alles mit einem kompakten Tastengerät realisieren, schon bald waren Synthesizer erfunden! Nicht nur die Musik betreffend, auch sonst hatte sich so manches, was von den Wissenschaftlern des Grünen Planeten einst für eigene Zwecke erforscht worden war, hernach für die Raver als nützliches Utensil erwiesen, für ihre Parties oder ihren Alltag, darunter die Schwarzlichtlampen, letztere waren auf Planet Amora gar zum offiziellen Zahlungsmittel geworden, bei den goanischen Stämmen war ausserdem Gewürztee als zweite Tauschwährung sehr beliebt! Eins sollte ein Raver können: Der junge, gesunde Raver hatte das Tanzen bereits im zarten Alter von 9 Jahren erlernt! Die Lebenserwartung eines Ur-Ravers entsprach im Schnitt 350 Jahren, davon tanzte er etwa bis zu seinem 190. Lebensjahr, und wenn er einmal nicht mehr tanzen konnte, dann zog er sich in den Stock zurück, wo er sich zur Ruhe setzte und vom Nachwuchs unterhalten liess! Tanzen und Feiern war der Zweck ihrer Schöpfung, eines Ravers Lebensphilosophie, und so waren später auf Amora auch die ersten festen Gebäude Tanzschulen und Party-Gemeinschafts-Zentren gewesen. Während die Bewohner der alten bewohnten Planeten über die Fortschritte staunten, wie der einst totgeglaubte Stern zu neuer Blüte kam, hatte bei näherem Hinschauen gar nicht alles so wundervoll ausgesehen: Im Raverstaat hatte das Wegwerfzeitalter begonnen, innert dreier Generationen wurde der gesamte Planet so sehr vermüllt dass Teile davon einem Wald industriell geschaffener Erzeugnisse glichen, die Abfälle und Chemikalien, für welche dessen karger Boden hervorragend als Müllkippe gedient, hatten diesen vergiftet, die entstandenen Gase die Luft und die Gewässer verschmutzt! Die gesamte Vegatation, die in den vergangenen Jahrmillionen während der "Ära Toter Planet" im Stillen gediehen, war nun dabei, langsam aber sicher zugrundezugehen, und da hatten die Raver Amoras allmählich zu begreifen angefangen, dass ihr Lebensstil ihrer Umwelt und letzlich ihnen selbst schadete, sie besserten ihr Verhalten, von nun an wollten sie mit ihren Ressourcen liebevoller und sparsamer umgehen, eine Fabrik wurde errichtet, um Schrott wiederzuverwerten, aus den reziklierten Abfällen sollten z.B. Partykunstwerke entstehen, was bereits zu ihrer Zeit als Fahrende Traditionshandwerk bedeutete! Das war nun der Beginn einer besseren Entwicklung Planetamoras gewesen, in Sachen Umweltbewusstsein sollte es den Ravern jedoch stets mangeln! Noch waren die Raver aber zueinander ziemlich sozial eingestellt, ihr Zusammenhalt war's der ihnen noch immer, so wie damals als Fahrende nun auch als sesshafte Amoraner, ermöglichte ihren Alltag unter den schwierigen Lebensbedingungen ihres Planeten zu meistern! Anders als sie sich der Natur, ihrer Umwelt gegenüber verhielten lebten die Raver miteinander in Frieden und Harmonie, jeder leistete seinen Beitrag an eine funktionierende amorianische Gesellschaft, indem man einander gegenseitig half, doch das würde nicht ewig so bleiben! Auf Amora würde es dereinst zu einer folgenschweren Entscheidung kommen-
Teil 3: Die Teilung Amoras
Dreizehn und ein halbes Jahrtausend waren nun schon seit Gründung des Technostaates vergangen, die Amoraner hatten inzwischen zu den etablierten Völkern gehört, doch damit einhergehend hatte sich auch ihre Mentalität entsprechend angepasst: So sehr sich die Raverstämme auch voneinander unterschieden, hatten sie dennoch jahrtausendelang in Frieden miteinander gelebt! Im Laufe der Zeit jedoch war's zur Disharmonie gekommen, Amora wurde immer mehr in zwei politische Lager gespalten! Das soziale Verhalten der Raver hatte sich verändert, ihre anfänglichen Ideale, auf denen der Technostaat einst gründete, mit jeder Generation waren sie stückweise verlorengegangen, resp. durch kommerzielles Denken ersetzt worden! Viele waren ausserdem der festen Überzeugung, dass es dazu keine Alternative geben könne! Etliche waren allerdings noch unter ihnen, die ihre ursprünglichen Wertvorstellungen unbedingt zu erhalten suchten! Der ideologische Grabenkrieg zwischen den Ravern jeweils einer Gesinnung hatte sich immer mehr vertieft, und wenn Amora schon über keine Kriegswaffen verfügte und auch nie welche besitzen würde, so hatten sich die Raver trotzdem gegenseitig bekämpft! Der jahrtausende alte Konflikt zwischen den Amoranern nahm immer deutlichere Ausmasse an und hatte nun, in der Mitte des 14. Jahrtausends, seinen Höhepunkt erreicht! Die Raver wollten ihrem Wertestreit nun ein schnelles Ende bereiten, um endlich wieder in Harmonie zu- und miteinander leben zu können! So hatten denn die Ober-Dj's den Gesamtältestenrat des Planetenstaates einberufen, aus allen Ländern und Provinzen waren sie gekommen, während Stunden, Tagen und Nächten hatten sie durchdebattiert doch sie waren zu keiner Lösung gekommen, bis plötzlich doch noch einer die zündende Idee hatte: Planet Amora solle aufgeteilt werden! Der Vorschlag fand allgemeine Zustimmung, und wie die Teilung aussehen sollte war auch schnell entschieden: Im Osten gab es noch viel Brachland, diesen Teil des Planeten wolle man den Alternativen überlassen, damit diese dort ihren eigenen amorianischen Staat errichteten! So wurde denn per Abstimmung durch den Ältestenkongress der Beschluss gefasst, AMORA in eine "Alternative/Antikommerzielle Republik East-Amora" und eine "Kommerzielle Republik Rest-Amora" zu zerschlagen! Wenig später hatten die Ober-Dj's vermelden lassen, dass es nun zur Spaltung ihres Planetenstaates in zwei Teilstaaten gekommen sei, den Amorianischen Staatsbürgern eine Übergangsfrist gewährt werde, während derer die innere Grenze noch frei zu passieren sei und jeder seinen Wohnsitz in der Republik seiner Wahl bestimmen dürfe! Jeder einzelne Amorer habe für sich zu entscheiden welcher Seite er denn nun angehören wolle! Nach der Teilung war die Zahl der Ober-Dj's von bisher fünf auf zwei reduziert worden, jeweils einen für das nonkommerzielle East- und für das kommerzielle Rest-Amora! Die Raver beider Seiten hatten geglaubt, hiermit endlich die Patentlösung gefunden zu haben, die ihnen das friedliche Nebeneinander ermöglichen würde, doch im Gegenteil, das war erst recht der Anfang aller Probleme gewesen! Keiner hatte die Konsequenzen im Voraus bedacht, niemand geahnt, welche Schwierigkeiten mit und gerade wegen der Teilung auf diesen Planetenstaat zukommen würden! Alsdann wurde die Grenzlinie gezogen, ein Elektro-Zaun erstellt, der fortan die beiden Amoras voneinander trennen sollte! Die Ober-Dj's hatten gemeinsam den Elektrisierapparat, den "Zaunkönig" in feierlicher Zeremonie in den Boden gesteckt, so dass dieser zu gleichen Teilen auf beiden Seiten stand, zum Zeichen dafür, dass die Teilung nun besiegelt sei! Die offiziellen Grenzübergänge wurden mit Studioscheinwerfern beleuchtet, Bewegungsmelder und Lichtschranken installiert. Fortan durfte die inneramorianische Grenze nur noch überschreiten wer im Besitze eines gültigen Visums war, und dieses wurde ausgestellt, wenn für einen Aufenthalt in der anderen Teilrepublik besondere Gründe vorlagen, das Begehren musste erst vom Ober-Dj der Republik des Antragstellers geprüft, sodann dem Ober-Dj der anderen Republik vorgelegt werden, der Antrag galt als genehmigt, sobald beide unterzeichneten! Ein ständiger Vertreter wurde eingesetzt, zuständig für innere Sicherheit, diplomatische Beziehungen, politische Stabilität zwischen den beiden amoranischen Teilstaaten, welcher in Grenzfragen vermittelte, z.B. in Sachen Auftritte von D's aus der einen in der anderen Teilrepublik, dazu die Visa erteilte. Dieser amtete gleichzeitig als Richter, verfügte die Strafen für illegalen Grenzübertritt, z.B. die Dauer eines generelles Clubverbots innerhalb der Teilrepublik des emigrierten Ravers! Wer mit dessen Urteil nicht einverstanden war hatte durch den Stammeshäuptling seiner Provinz rekurrieren können, nur der Ober-DJ seiner Teilrepublik war befugt, in solchen Fällen Amnestie zu erteilen. Von nun an hätte jeder Versuch, die Grenze illegal zu überqueren, sofort dem Ober-DJ der Republik gemeldet und die Personalien des Fluchtwilligen in eine gesamtamorianische Datenbank gespeichert werden müssen, allzuoft aber wurde das Prozedere umgangen, Fluchtversuche waren erstnoch straffrei geblieben, weil die Kontrollorgane nicht funktionierten: Das staatliche Sicherheitssystem hatte an manchen Stellen regelmässig versagt, weil es grosse Mängel aufwies, Schleichwege mussten nur gefunden werden, das Gelingen hing dabei stark von der Stammesmentalität und der Laune des Grenzers ab! Teilweise war die Grenze durch Wald- und Wiesenwege verlaufen, und so mancher Grenzübergang, der sich in einem kleinen Dorf befand, hatte nichtmal über einen ordentlichen Schlagbaum verfügt und war des nachts oft unbewacht gewesen, auch hatten die Amoraner ohnehin kaum Interesse bekundet, ihre amorianischen Mitbürger zu verzeigen, von den Grenzbeamten selbst war nichteinmal jeder ein eigentlicher Zöllner, viele waren nebenamtlich zu dieser Aufgabe verpflichtet worden, unter ihnen private Sicherheitsangestellte oder Wildhüter, sie alle waren zudem bestechlich und in einigen Stammesgebieten verhielten sie sich besonders undiszipliniert! Nirgendwo aber war's so einfach wie in goaranischem Grenzland, denn deren Ordnungshüter waren die pflichtvergessensten von allen und nie um Ausreden verlegen: Entweder hatten sie den Notizblock vergessen, das Schreibzeug verlegt oder hielten dem Flüchtigen absichtlich den Rücken zugekehrt, dann wieder machten sie gerade Pause und wollten sich beim Kaffeschwatz nicht stören lassen, ein kleines Geschenk, z.B. ein zufällig fallengelassenes Zigarettenpäckli konnte schon reichen, sie wohlwollend zu stimmen, dann hatten sie sich sofort umgedreht, um sich nach dem "verloreren" Gegenstand zu bücken (und so den Flüchtenden nicht zu bemerken!) Ausserdem waren sie fast immer zu spät zum Dienst erschienen! Meistens fehlten einige der Grenzpfähle, waren Teile des Elekrozauns beschädigt, und häufig war in diesem damals noch etwas unterentwickelten Teil des Planeten der Strom ausgefallen! Wenn's aber dennoch mal schief ging, dann war mit unangenehmen Konsequenzen zu rechnen, so konnte jenem der sich einmal ins verbotene Land begab bei seiner Rückkehr widerfahren, dass er von seinem Stamm öffentlich angeprangert, ein Schmähtanz aufgeführt wurde, sein Stammeshäuptling ihn verhörte, um allenfalls an nützliche Informationen aus dem "Feindesland" zu gelangen, wer kooperierte wurde manchmal für sein Engagement reichlich belohnt, konnte vielleicht gar zum Spion des Ober-DJ der Republik aufsteigen! Allem Zerwürfnis zum Trotz hatten viele Amoraner noch ein Zusammengehörigkeitsgefühl bewiesen, ihnen war's schwergefallen, einander plötzlich per Verordnung feindselig gegenüberstehen zu müssen, freilich aber hatte es unter ihnen auch sehr streitlustige gegeben, und entlang des Zauns, wo ab und zu gar grenzübergreifende Parties gefeiert wurden, war es immer wieder zu Zwischenfällen gekommen! Manchmal waren's nur harmlose Kinderstreiche gewesen, hatte ein Raverkid Kaugummi durch die Zaunmaschen gesteckt, um die Grenzwächter zu ärgern, oder jene selbst hatten ihre Zigarette absichtlich durch den Maschendraht fallen lassen, war Unrat von drüben über den Grenzhag geworfen worden, zwischendurch aber hatten sich auch sehr ernsthafte, tragische Vorfälle ereignet, immer wieder hatten Verletzte geborgen werden müssen, ein Raver von rumliegenden rostigen Nägeln, Glasscherben oder Dosendeckeln Schnittwunden erlitten, sich an den Dornen des Zaungeflechts verfangen, oder war in Ohnmacht gefallen, da er beim Versuch, den elektrisch geladenen Zaun zu übersteigen, einen gefährlichen Stromschlag erhielt! Für die Kosten der Rettung musste stets die Teilrepublik aufkommen, auf deren Boden das Unliebsame Ereignis geschah! So hatte denn der Hag, der den Amorianiern doch eigentlich hätte Frieden, ein harmonisches Nebeneinander bescheren sollen, bloss zum beiderseitigen Ärgernis gereicht! Die Teilung hatte den alten Streit der amorianischen Technoraver nicht beendet, dafür aber umsomehr neue Probleme auf diesem Planetenstaat heraufbeschworen! Die Ober-Dj's wurden nun vor eine schwierige Aufgabe gestellt: Planet Amora war nun also per Volksabstimmung geteilt worden, doch war das nun eine kluge Entscheidung gewesen oder war sie übereilt? Wie würde sich die Situation nun weiter entwickeln?! Durch die neue Zonenordnung war ja auch die alte Stammesordnung Planetamoras auseinandergeraten, hatten in den Randgebieten zwischen dem neuen und dem alten Raverstaat Stämme Teile ihres Reviers verloren, andere welches dazugewonnen! Ausserdem war ja noch die Forschungsbasis der futuristischen Cybers, die sich zwar auf autonomem Gebiet befand, doch ab jetzt von der neuen Republik East-Amora umgeben war! Verträge mussten ausgehandelt werden, um die Sicherheit des Planeten zu gewährleisten, den Frieden zu erhalten, den sich doch alle Raver, ob kommerziell oder antikommerziell, so sehr wünschten! Mit den futuristischen Cybers war man sich schnell einig geworden, diese wollten sich nicht in den politischen Konflikt der Amorianer einmischen, als Wissenschafter hatten sie sich mit wichtigeren Dingen zu befassen, sie verlangten nur, dass ihnen die Überflugsrechte garantiert, der Zugang zu ihrem Stützpunkt inmitten des amorianischen Technostaates gewährleistet bliebe! Da waren die inneramorianischen Probleme, die im Zusammenhang mit der neuen Grenzziehung entstanden waren, schon weitaus schwieriger zu lösen gewesen! In besenderem Masse davon betroffen wurden einmal mehr die Gabberstämme, deren Gebiete sich ja nun fast ausnahmslos in der neuen Republik befanden, sie, die schon vorher immer ein Schattendasein geführt hatten wurden nun von auch noch von einer Einwanderungswelle überrollt, und zwar von Angehörigen anderer Stämme, von denen sie bisher verlacht worden waren, die sich nun für ein Leben auf der idealistischen, nonkommerziellen Seite des Planetenstaates entschieden hatten! Und die Gabbers, die in den Resten auswanderten hatten sehen müssen, wo es für sie noch ein freies Plätzchen gab, wo sie ihr Lager aufschlagen konnten, die meisten von ihnen waren in den Süden ausgewandert und hatten sich mit den dortigen Technoravern vermischt! Noch zu Beginn des geteilten Amoras hatten die kommerziellen Raver ihren neuen "idealistischen Nachbarstaat" mitleidig belächelt, dieser würde gerademal ein Jahrtausend lang bestehen, um danach flehend wieder in den Schoss der alten kommerziellen Republik zurückzufallen, doch es kam nicht so, mit der Zeit machte auch dieser Fortschritte, obschon sie kaum auf Unterstützung aus dem alten Resten zählen durften! Allerdings würde erst rund 70'000 Jahre später der Beweis erbracht sein, dass ihr Modell auf seine Weise ebensogut funktioniert hatte! Mit der Teilung hatte auf dem Technoplaneten eine rasante Entwicklung eingesetzt, da die beiden Amoras einander gegenseitig beweisen wollten, das sie das wahre, zukunftsträchtige Modell für sich gepachtet hätten (uneingeschränkter Kommerz oder gemeinschaftliches Ideal), im Wettstreit um das wahre Grundprinzip waren so in der kommerziellen Teilrepublik Rest-Amora himmelhohe Clubs, schikanöse Tanzpaläste, schillernde Diskotheken, Luxushotels u.a.m. gewachsen (alles selbst auf der Restside nur für betuchte Raver erschwinglich) in der alternativen Teilrepublik East-Amora dafür die renommiertesten Altersheime, die besten Kliniken, soziale Cafés und Restaurants, staatlich geförderte Gemeinschaftszentren und sozialtherapeutische Tanzschulen entstanden, und während dies alles von den Eastravern recht preiswert genutzt werden konnte hatte dasselbe für einen Raver aus dem Resten mindestens das dreifache gekostet! Nach der Teilung hatten die Ober-Dj's den Ravern Zugeständnisse gemacht, Orte der freien Begegnung zwischen East- und Rest waren geschaffen worden, es gab z.B. einen Club, der zu gleichen Teilen auf der Grenze gestanden, wo sich Amorer beider Republiken treffen konnten, doch jeder durfte das Haus nur durch den Zugang betreten resp. verlassen, der sich auf "seiner" Seite des Planetenstaates befand! Zwischen beiden Seiten des Clubs war ein Gang verlaufen, an dessen Enden Pfosten eingelassen und dazwischen ein Seil gespannt war, welches die Grenze markierte, auf beiden Seiten hatten Wächter gestanden, die aber ab und an schon mal ein Auge zudrückten, wenn einer in den verbotenen Teil des Clubs emigrieren wollte. Eine weitere Lücke im Sicherheitssystem hatte da bestanden, wo der Zaun stellenweise unterbrochen oder mit einem Grenztor versehen war, wo die Elektriker Wartungsarbeiten an den Sicherungsanlagen durchführten, von den Ober-Dj's wurde ein Abkommen getroffen, Angestellte in dieser Zone mit einem Freipass auszustatten, um ungehindert passieren zu können. Manchmal liessen sie das Tor offen, und oft war diese Stelle unbewacht. Auch da war immer mal wieder ein Raver durchgeschlüpft, um sich einmal im verbotenen Lande umzusehen! Von der inneren Grenze her hatte sich das Problem schliesslich in die Hauptstadt verlagert, welche zu Anfang "City of Raveland" geheissen, später "Merlin" wurde und seit der Teilung nunmehr aus Eastmerlin und Restmerlin bestand! Die Ober-Dj's hatten im Zeichen der freund-nachbarschaftlichen Beziehungen ebenfalls die Capitale zu einem Zentrum der freien Begegnung erklärt und getreu der Ur-Stammesordnung Planetamoras die Stadt in vier Sektoren unterteilt, also im Norden die Goas, im Süden die Technos, im Westen die Houser, im Osten die Gabbers! Lange war dies natürlich nicht gutgegangen, bei der Zerrüttung des amorianischen Volkes! Zuerst hatten sich die Raver noch über die Geste ihrer Ober-Dj's gefreut, doch für neuen Konflikstoff war gesorgt, denn aus allen Teilen des Planetenstaates waren Zuwanderer nach Merlin gekommen, die nur deshalb die Haupstadt auswählten, weil sie denen einen Kompromiss bot, die sich nicht hatten für ein Leben entweder in der einen oder anderen Teilrepublik entschliessen wollen, unter ihnen aber auch bekennende Kommerzies resp. Anti-Kommerzies! Und schon bald war so der Streit zwischen den Amorianern aufs neue entbrannt! Im Ostviertel, welches gleichzeitig die Hauptstadt der neuen nonkommerziellen Republik bildete, hatten Differenzen bestanden, zwischen kommerziellen und nonkommerziellen Gabbers, doch das war nichts im Vergleich zu dem zwischenstaatlichen Konflikt, der sich nun in der geteilten Hauptstadt ballte, in welchem für Restmerlin erschwerend dazukam, dass es nun als Exklave des kommerziellen Rest- inmitten des antikommerziellen East-Amoras eine Insellage einnahm! Restmerlin war zum Zentrum allen Tandes geworden, doch weder die dort lebenden Goaraner noch die Houserstämme hatten die meisten Easters besonders gestört, speziell die Wolkenkratzer, die gigantischen und an Höhe alles überragenden Einkaufszentren und Konsumtempel, die da im tekknotronischen Stadtviertel entstanden waren und sich, wie es schien, gegenseitig an Grösse noch zu überbieten suchten, hatten ihnen zum Ärgernis gereicht, als die Technos schliesslich auch noch das KadeTe (Kaufhaus des Techno) erbauten, welches mit 2,5 Kilometern Höhe sichtbar für alle ins All hinauswuchs, da hatte es nicht nur vielen Eastravers gereicht, und mit der dringlichen Forderung war man an den Ober-DJ des Ostens gelangt, endlich gegen den Grössenwahn und die Arroganz der Technos im Südteil der Stadt, auf der ihnen zugestandenen Enklave inmitten der alternativen Republik vorzugehen, sollten die Kommerziellen doch ihre eigene Hauptstadt im Resten erbauen -was sie denn schliesslich auch taten-; der Ober-Dj des Ostens aber sah sich zu einer Handlung ausserstande, weil Restmerlin ja ausserhalb seines Hoheitsgebiets liege, und hatte an den Ober-Dj des Restens appelliert, doch dieser meinte, dass auch ihm in der Angelegenheit die Hände gebunden seien! Einmal mehr also sahen sich beide O'Dj's hilflos den Problemen gegenüber stehen, doch in einem waren sie sich einig, dass auf Amora endlich Friede herrschen solle und wenn kommerzielle und alternative Amorer sich schon gegenseitig nicht vertragen konnten, dann würde es wohl das beste sein, ihnen den Zugang zueinander auch in der Hauptstadt zu erschweren! Also wurde schliesslich der Beschluss gefasst, einen 30 Meter hohen Schutzwall gegen den Kommerzialismus, resp. den Antikommerzialismus, zwischen der geteilten Hauptstadt zu errichten, der fortan jeden vor des anderen "falscher" Grundphilosophie" bewahren sollte! Ein Wegzoll wurde eingeführt für den Grenzverkehr zwischen den beiden Stadtteilen! Später war die Entscheidung der beiden Ober-Dj's noch auf die zwischenstaatliche Grenze ausgeweitet worden, und so war's denn zuletzt eine Mauer von 38'794 km Länge, welche die zwei verfeindeten amorianischen Republiken voneinander trennte! Die neue Hauptstadt wurde von den Rest-Amorianern, passend zu ihrer Besserseinsmentalität, "Bonne" wie "gut" benannt! Dem äusseren Schein nach war der Planetenstaat Amora nun endlich zur Ruhe gelangt, doch das Wettrüsten zwischen den amorianischen Teilstaaten war weitergegangen und hatte sich auf eine höhere staatspolitische Ebene verlagert! Nach dem Mauerbau hatte ein enormer Aufschwung des gesamten Planetenstaates eingesetzt, denn jede der beiden Teilrepubliken hatte der anderen den Beweis ihrer Leistungsfähigkeit erbringen wollen!
Und sehr viel später...
Während Zehntausender von Jahren waren East- und Rest-Amora nun ihre eigenen Wege gegangen. Im 74. Jahrtausend Planetamoras hatte ein hochgefährlicher wissenschaftlicher Versuch den scientistischen Planeten zerstört, die Wissenschaftler waren nun selbst zu Heimatlosen geworden, dies hatte zu einer Einwanderungswelle auf und zu einem enormen Aufschwung Eastamoras geführt, was den Konflikt zwischen dem geteilten Technostaat neuerdings schürte! Die Spaltung Amoras hatte die beiden Teilstaaten in einen unerbittlichen Konkurrenzkampf getrieben, aber auch der zwischenstaatliche Dialog war nie vollständig abgebrochen worden. Der Ehrgeiz der Eastamorer hatte jenem der Restamorer niemals in irgend etwas nachgestanden, und so war nun im Osten aus der ehemaligen Basis, die inzwischen von den Cybers aufgegeben wurde, ein gigantischer Vergnügungspark geworden, die Eastraver, welche sich mit den Wissenschaftlern im Laufe der Zeit immer enger befreundeten, hatten von diesen alles in einem guten Zustand praktisch umsonst übernehmen können, da war von ausgedienten Robotern bis hin zu historischen Raumschiffen und dergleichen mehr alles vorhanden, was nun als Attraktion auch Besuchern aus dem Resten Amoras, letzteren selbstverständlich zu einem wesentlich höheren Preis als denen vom Osten, anbieten konnten! Und endlich, nach rund 70'000 Jahren der Teilung, hatten die Raver Planetamoras allmählich zu begreifen angefangen, dass sie einander so unähnlich vielleicht niemals waren, der Gedanke, dass man sich dereinst nochmals vereinen könnte erschien nicht mehr so abwegig! Tief unter dem Boden war man diesem Schritt ja bereits viel näher gekommen als an der Oberfläche! Stollen, die einst gegraben worden waren, um dem Austausch von Spionen zu dienen, wurden inzwischen, selbst von den Ober-Dj's, für genzübergreifende Treffen benutzt, ein Geheimgang unter der Mauer hindurch hatte direkt zu einem ebenso geheimen Club geführt, wo sich die Crème de la crème beider Ravelands heimlich trafen, um untereinander nützliche Informationen auszutauschen, und lukrative Verträge für sich auszuhandeln, von denen sie alleine zu profitieren gedachten! Listige Raverkids aber hatten diesen Tunnel einst gefunden, als sie beim Spielen in Gullischächte krochen und dabei auf Falltüren stiessen, durch die Spitzel herauskamen, ab und an war einer gleich auf frischer Tat ertappt worden. Schnell hatte sich herumgesprochen, was da im Untergrund ablief. Schliesslich kam heraus, dass einige von ihnen enge Vertrauensleute der Ober-Dj's waren, die da gemeinsam mit Angestellten staatlicher Clubs heimlich Parties feierten. Ja, die Ober-Dj's hatten noch viele Geheimnisse gehabt, die gut zu verbergen es galt, von denen ein gewöhnlicher Amorianer besser nichts wusste, und schliesslich...
Teil 4: Die Wiedervereinigung Amoras
Im 96. Jahrtausend schliesslich wurde Amora wiedervereinigt und zum Zeichen der Freude die Loveparade gestartet, welche fortan alle 100 Jahre wiederholt werden sollte. Ist hiermit ist die Geschichte des Planeten der Raver zu einem Happy-End gekommen? Leider nicht, das dicke Ende stand noch bevor:
Teil 5: Der Untergang Amoras
Schon lange vor der Teilung hatten die Amorer begonnen, ihre ursprünglichen Ideale zu vergessen, resp. durch Egoismus und Gleichgültigkeit zu ersetzen; im Osten hatte es schliesslich noch etwas länger gedauert als im Resten! Der Lebensstil, den sich die Raver Amoras inzwischen angewöhnten hatte sie krank gemacht, ihre zu Beginn von besseren Werten geprägte Kultur zugrundegerichtet! Die unter ihnen dies noch erkannten sahen sich jedoch machtlos, jener Destruktion ihrer Gesellschaft, ihres Planetenstaates entgegenzuwirken! Wie rund 101'000 Jahre zuvor hatten sich die letzten Raver Amoras angeschickt, ihren Planeten zu verlassen, um vielleicht auf irgend einem unbewohnten Stern noch einmal neu zu beginnen, sie hatten sich zur ehemaligen Cyber-Basis aufgemacht, um dort nach Überresten von Roboter- und Raketen-Wracks aus der einstigen Blütezeit während der Besatzung durch die Cyberunion, zu suchen. Teilweise mit Erfolg hatten sie diese wieder instandzusetzen versucht! Mit dem was sie wieder startklar brachten hatten sie eine neue Reise ins Ungewisse angetreten. Doch diesmal ging's schief, denn entweder hatten sie kein Ziel erreicht oder auf ihrem Ankunftsplaneten den dortigen Lebensbedingungen nicht zu trotzen vermocht! So war denn auch die Geschichte Planet Amoras zu einem tragischen Schluss gekommen, mit dem Unterschied allerdings, dass es in der Ära der Technoraver keinen einzigen blutigen Konflikt und keine Regentschaft durch einen Tyrannen gegeben, die Raver Amoras hatten sich einzig durch ihre falsche Lebensweise am ENDE selbst zerstört!
Die Erzählung vom Planeten der Technoraver ist frei erfunden, doch ich halte ausserirdisches Leben und damit verbunden ähnliche Geschehnisse wie die des Planeten Erde für sehr wahrscheinlich! Die Entwicklung der Technokultur ist eine, die jener in dieser Geschichte gleicht, Techno hat sich von einer friedlichen Partykultur und Bewegung zum schlechten Kommerz- und Drogenkult gewandelt!
Zu Musik und Kultur „Techno“
Techno, ist eine elektronische Musikkultur, Future-Cyber eine dem Techno verwandte Stilrichtung, die ebenso wie in der Erzählung mit dem Klassischen Begriff von Musik nichts zu tun hat, sondern mit industriellen Geräuschen experimentiert, so wie es die Roboter in dieser Geschichte tun. Die Technokultur hat eine ähnliche Entwicklung erlebt wie in dieser Erzählung, die sich jedoch nicht in Jahrmillionen und Jahrtausenden, sondern in einem wesentlich kürzeren Zeitabschnitt vollzog, nämlich in rund einem viertel Jahrhundert! Die Technoraver selbst, die es zu Anfang der 90er Jahre gab, waren zuerst ein verschrobenes Volk, sie lebten in ihrer eigenen Welt, Techno hat als elektronischer Musikstil, zu dem eine sehr friedliebende Alternativkultur gehörte, gegen Ende eines Kalten Krieges im Untergrund begonnen, dem zuvor ein schrecklicher tatsächlicher Krieg vorangegangen war! Techno, zu Beginn der 90er Jahre an die Oberfläche gespült, hat sich im Laufe der Zeit leider immer mehr den kommerziellen Wertvorstellungen angepasst und ist selbst zum Kommerz geworden, ihre Grundwerte hat sie dadurch verloren, mir erscheint diese Szene heute ebenso gespalten wie ein geteilter Staat, in dem zwar Kriegswaffen nicht vorkommen, aber dennoch eine hohe Mauer des gegenseitigen Unverständnisses dazwischenliegt und in welchem jedenfalls aus meiner Sicht heute nur noch zwischen dem sich selbst als solcher bekennenden Kommerz und dem Alternativkommerz, der sich als Nichtkommerz auszugeben versucht, unterschieden werden kann! In diversen Wikipedia-Links werden diese Stilrichtungen der Technomusik näher erklärt.

GESCHICHTE VOM PLANETEN DER RAVER, welcher "PLANET AMORA“, - „PLANET DER LIEBE“ HIESS:
Was in dieser Erzählung passiert, von dem Planeten der Techno-Raver, erinnert in vielem ans Weltgeschehen. Man findet darin Parallelen, aber auch Anti-Parallelen zu unserer Weltgeschichte. Die Vermutung besteht nach wie vor, dass auf fernen Sternen irgendwo im Universum, da wo bisher noch keine irdischen Astronauten hingekommen sind, Lebewesen existierten, und die Vorstellung ist vielleicht gar nicht so abwegig, dass es irgendwo im All Hochkulturen gegeben haben könnte, die dem heutigen Stand der technischen Entwicklung auf Erden weit voraus gewesen sind. Aus diesem Gedanken heraus und einer Reihe von historischen Ereignissen, die teilweise in noch nicht allzu ferner Vergangenheit liegen und von der Geschichte der Technokultur habe ich mich zu dieser Erzählung inspirieren lassen!
In dieser Geschichte treffen Gegensätze aufeinander, konträres verbindet sich! Die eigentlich unmusikalischen, schwer depressiven Wissenschaftler und die spasseslustigen Technomusiker, so sehr sie sich auch voneinander unterscheiden, in der Wüste des verlorenen Planeten finden sie zueinander, ihre Ziele sind so unterschiedlich wie sie selbst, doch sie brauchen einander und gehen die Symbiose ein, zuerst entdecken sie Gemeinsamkeiten, es entstehen Freundschaft zwischen ihnen und schliesslich erwachsen daraus diplomatische und geschäftliche Beziehungen zwischen eigentlich völlig gegensätzlichen Kulturen, die von nun an ihren gemeinsamen Werdegang Zeit ihres Bestehens bestimmen werden. -
In der Geschichte der Raver kommt vom Panzerraupenfahrzeug, der Funktechnik bis hin zum Internet fast die gesamte Palette an Technologie vor, so manches was vom beginnenden 20. Jahrhunderts an möglich war bis hin zu dem was zumindest bis heute noch in ferner Zukunft liegt! Jedoch im krassen Unterschied zu Planet Earth, wo Forschung und Entwicklung meist ursprünglich der militärischen Nutzung gedient haben und letztere fast ausnahmslos für technische Erzeugnisse einst die Grundlagen schuf, hatten auf Planet Amora alle Erfindungen, welche zumeist von den futuristischen Wissenschafthlern hervorgebracht und später auch von den Technoravern zu ihrem Vergnügen genutzt wurden, nie der Kriegsführung und einzig dem Zweck gedient, den Alltag unter den schwierigen Lebensbedingungen ihres Planeten zu meistern!
Ja, selbst die Raver auf Planet Amora waren kein einig liebend Volk gewesen, bei dem alles nur rund lief, im Gegenteil, und freilich, ihr Ende war tragisch, davon abgesehen, dass der Lebensstil der Raver immer destruktiver wurde und sie sich dank diesem am Ende gar selbst zerstört hatten, dennoch: In einem hatten sie sich vorbildlich verhalten, und damit waren sie wohl den meisten Völkern weit voraus: Trotz ihrer Konflikte waren sie stets ohne Waffengewalt ausgekommen! Könnte unsere Welt nicht auch etwas wie die jener Raver funktionieren? Wäre es nicht schön, wenn dieser technische Fortschritt, darunter einiges, von dem wir heute auch friedlich profitieren, gar nicht erst für die Kriegsführung stattgefunden hätte, bevor man dann schliesslich doch noch zu einer friedlichen Nutzung fand? Wir sollten diesbezüglich an den ausserirdischen Technoravern von Amora ein Beispiel nehmen!
Geschrieben Januar 2009 Goadancer Mr. Electro
Überarbeitete Version Dezember 2011
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Raketenstartplatz Pydna / die Tekkno-Party auf dem Raketenstartplatz